martin hoffmann

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Innovation auf der Grünen Wiese – Moderation beim AltmarkMacher-Festival

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Was passiert in ländlichen Regionen unserer Gesellschaft, wenn der massive Zuzug in Städte auf den demografischen Wandel trifft? Die Altmark, die Region im Norden Sachsen-Anhalts, bestehend aus den Landkreisen Salzwedel und Stendal, und ist flächenmäßig in etwa so groß wie das Saarland. Allerdings gleichzeitig laut Zukunftsatlas 2016 der Prognos AG die Region mit der geringsten Stärke und schlechtesten Aussicht. Wie soll man da die Zukunft gestalten?Im Juni fand das AltmarkMacher-Festival am wunderschönen Neuen Schloß Tangerhütte. Ich durfte die Tagesmoderation für ein wirklich spannendes Programm übernehmen. Hauptfokus des 3-tägigen-Events war Kooperation und Innovation, wobei der Programmschwerpunkt am Freitag den 17. Juni 2016 stattfand. Stargast war Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung. Aber nebenbei gab es viele Workshops und Vorträge sowohl auf der Hauptbühne als auch in den Themenzelten zu ‘Wirtschaft & Unternehmen’, ‘Erfolg & Karriere’ und ‘Natur, Kultur, Leben’. Das gesamte Programm gibt es hier.

Im Gespräch mit Andreas Brohm

Im Gespräch mit Andreas Brohm

Nach einer kurzen Eröffnung durfte ich mich auf einem Podium mit vier Jungunternehmer*innen aus der Region darüber unterhalten, welche Karriereperspektiven es im ländlichen Raum der Altmark gibt. Auch wenn von allen natürlich ein paar Defizite gesehen wurden, gerade im Bereich Infrastruktur, gab es doch viel Zuspruch und Optimismus. Gerade Freiraum aber auch kurze Wege war für die Diskutant*innen von Vorteil. So meinte bspw. Mats-Milan Müller von JS Lasertechnik, dass gerade die geringe Hierarchieschwelle ihm dabei geholfen hat, im Unternehmen schnell Verantwortung zu übernehmen. Spannenderweise waren die meisten der Diskutant*innen gar nicht aus der Region direkt, sondern waren zugezogen – und haben sich dennoch für die Altmark entschieden. Man merkte schnell, dass da viele Ideen und Inspiration schlummern – die Einbindung der ‘Jugend’ bietet also definitiv einen Hebel für bessere wirtschaftliche Entwicklung in der Region.

Im Gespräch mit Jungunternehmer*innen

Im Gespräch mit Jungunternehmer*innen

Nach einem Impulsinterview mit Jan Bredack, dem Gründer von Veganz, über die Zukunft der Ernährung und des Lebensmittelhandels, gab es das für mich spannendste Podium: „Smart im Grünen: Digitalisierung als Chance für die Altmark?” Mit dabei waren Antje Buschulte, Referentin für die Digitale Agenda Staatskanzlei Sachsen-Anhalt, Tobias Schwarz, Coworking-Manager des St. Oberholz, und Gerald Swarat, Projektleiter “Digitale Regionen” beim Internet & Gesellschaft Collaboratory e.V. Da ich mich mittelfristig intensiver mit dem Thema ‘Digitalisierung im ländlichen Raum’ beschäftigen möchte, war das für mich eine ideale Gelegenheit.

Ausgangspunkt war dabei natürlich die Idee einer Digitalen Agenda für Sachsen-Anhalt. Antje Buschulte hat in letzter Zeit den sog. ‘Digitalen Thesenanschlag’ für Sachsen-Anhalt entwickelt – über 100 Ideen und Ansatzpunkte, wo sich Sachsen-Anhalt hin entwickeln kann. In der Diskussion mit Tobias Schwarz und Gerald Swarat wurde nicht nur schnell klar, dass Digitalisierung unglaublich viele Chancen bietet – aber die konkrete Implementation und Vorteile meist noch zu vage und unkonkret sind. Zu oft wird Digitalisierung nur bis zur (notwendigen) Installation von Breitbandanschlüssen gedacht. Schwarz und Buschulte hatten vorher bereits bei einem Ideenlabor über mögliche Perspektiven wie Co-Working-Spaces konzeptioniert – schließlich meinten sowohl Schwarz als auch Swarat, dass sie mit dem ICE aus Berliner Randbezirken schneller in Stendal sind als in Berlin-Mitte. Dazu kommen die oben angesprochenen Freiräume.

Im Gespräch zur Digitalisierung auf dem Land

Im Gespräch zur Digitalisierung auf dem Land

Ein persönliches Highlight war für mich die Einbindung eines Workshops “Wir nannten es Arbeit”. Es war ein Anschluss an die Veranstaltungsreihe, die ich mit Dominik Frisch und Eric Fischer Ende letzten Jahres entwickelt und durchgeführt hatte. Es zeigte sich, dass das Thema, welches und sehr wichtig war, nicht nur ein urbanes Phänomen darstellt, sondern natürlich insbesondere der Fachkräftemangel aber eben auch die Veränderung von Work-Life-Konzepten dazu anregt, neu darüber zu diskutieren, welchen Stellenwert ‘Arbeit’ in unserer Gesellschaft hat. Glücklicherweise war Malte von Tiesenhausen, Visualisator und Graphic Recorder, auch mit am Start und hat ein cooles Protokoll erstellt.

Graphic Recording "Wir nannten es Arbeit"

Graphic Recording “Wir nannten es Arbeit”

 

Die Moderation hat mir einen tollen Einblick in die Struktur und Perspektiven der Altmark erlaubt. Ich hoffe in Zukunft auf spannende Kontakte zurückgreifen zu können, da, wie oben geschrieben, Digitalisierung im ländlichen Raum auch für meine weiteren wissenschaftlichen Arbeiten relevant sein wird.

mm

Author: hoffmann.martin

cultural engineer and education hacker | interested in design, media, politics, learning, teaching, understanding

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