martin hoffmann

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Kulturhauptstadt „von unten“ – Perspektiven der Kulturszene in Magdeburg

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Magdeburg möchte Kulturhauptstadt werden – und zwar 2025. Ich muss zugeben, auch ich war anfangs sehr skeptisch, was diese Idee angeht. Doch nun, nach einigen intensiveren Jahren in der Landeshauptstadt, und seitdem ich im letzten Jahr einen intensiveren Blick auf den Bewerbungsprozess werfen konnte, freunde selbst ich mich mit der Idee an. Soweit sogar, dass ich sie öffentlich verteidige, so wie neulich bei einer Gesprächsrunde initiiert von Rosemarie Hein, MdB aus Magdeburg.

Das Büro von Frau Hein trat vor einer Weile an das Forum der Subkulturen (FSK) heran, welches wir im Frühjahr 2016 gegründet hatten. Man wollte eine Diskussionsveranstaltung zur Kulturhauptstadtsbewerbung machen, und ob denn nicht jemand von uns mitdiskutieren wöllte. Nach kurzer interner Diskussion wurde ich zur Runde entsandt.

Für uns als FSK sind solche Veranstaltungen immer dankbar, haben wir doch von Beginn an einen Wert darauf gelegt, die verschiedenen Perspektiven und Initiativen der (freien) Subkultur in Magdeburg stärker in die Öffentlichkeit zu rücken. Gerade im Hinblick auf den Bewerbungsprozess im allgemeinen, aber auch die Kulturpolitik als solche, wünschen wir uns einfach, dass zunehmend mehr die Subkultur in den Fokus genommen wird, verstehen wir diese doch als Bürgerkultur im eigentlichen Sinne.

Diskussionsrunde “Kulturhauptstadt „von unten“ – Perspektiven der Kulturszene in Magdeburg” (21.2.)

Entsprechend erfreulicherweise war die Gesprächsrunde auch mit Oliver Müller, Vorsitzender der Linken in Magdeburg und vor allem auch Vorsitzender des Kulturausschusses des Magdeburg Stadtrates, besetzt, und dazu noch den altbekannte Lars Johansen, Intensivtäter der lokalen Kulturlandschaft und Mitgeschäftsführer der LASSA – Landesarbeitsgemeinschaft soziokultureller Zentren im Land Sachsen-Anhalt e.V..

Die Gesprächsrunde blieb klein, was wohl vor allem am angesetzten Termin und fehlender Werbung lag – aber geschenkt. Neben uns dreien und Rosemarie Hein, die die Runde persönlich moderierte, fanden sich noch vier Gäste ein, darunter dankenswerterweise Matthias Puhle, Beigeordneter für Kultur der Stadt Magdeburg, und damit in letzter Instanz Chef des Bewerbungsprozesses. Sonst erlebe ich ihn nur, wenn er selbst im Rampenlicht steht. Dadurch wurde die Gesprächsrunde sehr direkt und gemütlich, und es war weniger einer anstrengende und unnahbare Podiumsdiskussion, als viel mehr eine offene Diskussionsrunde.

Diskussionsrunde “Kulturhauptstadt „von unten“ – Perspektiven der Kulturszene in Magdeburg” (21.2.)

Neben viel Allgemeinplätzen, welche den Bewerbungsprozess erläuterten und die Chancen Magdeburgs positiv bewerteten, hatte ich generell das Gefühl, dass die eigentliche Diskussion in solch einem “In-Circle” weiter ist, als sonst in der Öffentlichkeit. Gerade in der neulich erst veranstalteten Podiumsdiskussion im Forum Gestaltung im Februar 2017 war noch sehr viel Rechtfertigungsdruck zu spüren, warum Magdeburg sich sowas überhaupt traue.

Oliver Müller merkte an, dass man den Geist solch einer Bewerbung auch in der Kulturpolitik spürt, und der Kulturausschuss sonst in den vergangenen Jahren noch nie so eng miteinander zusammengearbeitet hätten. Lars ergänzte, dass sich dies aber vor allem auch in der Unterstützung der Kulturszene widerspiegeln müsste, was in Sachsen-Anhalt aber auch in Magdeburg oft fehlt.

Mein Fokus lag erneut auf der Notwendigkeit einer stärkeren partizipativen Ausrichtung des Bewerbungsprozesses. Im Geiste der 2010 verabschiedeten Kulturcharta 2020 appelliere ich an einer nachhaltigen und langfristigen Perspektive auf Kulturarbeit, welche für mich nicht unbedingt an den großen Häusern stattfindet, sondern vor allem im Kleinen und Dezentralen, oft gar nicht direkt als Kulturarbeit reflektiert. Dafür braucht es eine verstärkte Stadtteilarbeit, die kulturelle Emanzipation und Partizipation fördert und unterstützt.

Derzeit sehe ich eher das Gegenteil. Nach vielen Gesprächen mit Stadtteilmanager*innen in Magdeburg und eigenen Erfahrungen in der GWA sehe ich eher schwache Strukturen. Und auch empfinde ich den aktuellen Bewerbungsprozess sehr zielorientiert, dreht es sich doch meist um das reine Erstellen des bid books zur Bewerbung.

Bei der Diskussionsrunde “Kulturhauptstadt „von unten“ – Perspektiven der Kulturszene in Magdeburg” (21.2.)

Auch wenn dies verständlich ist, meinte doch auch Herr Puhle erneut, dass man nicht antrete, um zu verlieren. Doch gleichzeitig darf dabei eben nicht aus dem Auge verloren werden, dass es ein anschlussfähiges Konzept für Kulturarbeit benötigt, sollte es nichts mit dem Titel werden. Und ich denke, es würde auch die Partizipation und Identifikation in dieser Stadt stärken – etwas, was auch aus anderen gesellschaftlichen Perspektiven notwendig ist.

Ich bin jedenfalls gespannt, wie es mit der Bewerbung weitergeht. Generell unterstütze ich die Idee, einen solchen Bewerbungsprozess als Anlass zu nehmen, die lokale Gesellschaft zu aktivieren und anzusprechen, um sie in die Reflektion und das Gespräch zu bringen. Dafür ist viel Energie, Kreativität und Bereitschaft notwendig. Ich hoffe, wir alle finden diese…

*Alle Zitate und Gesprächsinhalte basieren auf persönlichen Erinnerungen.

mm

Author: hoffmann.martin

cultural engineer and education hacker | interested in design, media, politics, learning, teaching, understanding

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